Zypern 2014 - Krueger Henning und Elke

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Reiseberichte

Zypern 20. Oktober - 3. November 2014


Das Jahr 2014 war bei uns doch durch aufregende Momente hinsichtlich der Gesundheit meiner Schwägerin Ilse geprägt. Zum Glück hat sich alles positiv entwickelt, so dass wir uns vornahmen, einen schönen Strandurlaub zu buchen, um der kalten Jahreszeit im Oktober/November in Deutschland zu entgehen.

So flogen wir gemeinsam mit Ilse auf die Insel Zypern in den kleinen Ort
Protaras, der an dem schönsten feinsandigen Strandabschnitt Fig-Tree-Beach (Feigenbaumstrand) liegt. Er ist mit der Blauen Flagge für seine Sauberkeit ausgezeichnet worden.

Protaras ist ein Badeort, der aus einer aus wenigen Häusern bestehenden Siedlung nach 1974 als Ersatz, wie auch
Agia Napa, für den nach der Grenzziehung und Errichtung der Türkischen Republik Nordzypern nicht mehr zugänglichen Badeort Famagusta neu erschlossen wurde.

Das
****Hotel Capo Bay ist dort wunderschön gelegen, umgeben von klaren Bachläufen und Fischteichen. Es liegt etwa ca. 60 km vom internationalen Flughafen Larnaca entfernt.

Die Zimmer zur Meerseite waren mit ihren kleinen Balkonen sehr schön eingerichtet mit einem großzügigen Bad. Ein sehr schöner Spa-Bereich gehörte ebenfalls zu den Annehmlichkeiten, den die Damen natürlich auch genossen.

Das Wetter war die ganzen 14 Tage wundervoll klar, ca. 25 Grad Luft- und 25 Grad Wassertemperatur.

So ließen wir es die ersten 3 Tage ruhig angehen, erfreuten uns an dem schönen Strand und dem feinen Hotelgarten.

Am 24. Oktober machten wir dann einen
Bootsausflug mit einem Ausflugsboot entlang der Küste bis zum südöstlichsten Zipfel Zyperns, dem Kap Greco. Das Boot fuhr vorbei an meist felsigen Klippen. So konnten wir die kleine Kirche Agioi Anargyroi und die Lovers Bridge, eine bogenförmige Felsformation, vom Wasser her anschauen und fotografieren.

Da wir das Hotel nur mit Frühstück gebucht hatten, gingen wir meist abends in den benachbarten Restaurants essen, um anschließend im Hotel der Livemusik bei einem schönen Kartenspiel o.ä. zu lauschen. Der wundervolle Vorteil dieser kleinen Musikduos war, dass sie ohne Verstärker spielten und sangen, d.h. man konnte sich prima zusätzlich unterhalten und empfand diese Unterhaltung aus verschiedensten Musikrichtungen als sehr angenehm. Die Cocktails schmeckten im übrigen wunderbar!

Am 25. Oktober erwartete Ilse Besuch von ihren Freundinnen Yula und Julia, die beide auf der Insel wohnen bzw. wohnten.

Wir verabredeten uns zu einem Besuch von
Agia Napa, dem jüngsten und umtriebigsten Badeort der Insel. Hier tobt im Sommer das Leben - am Tag sowieso und in der Nacht erst recht. Der kleine Hafen ist wirklich sehenswert und der gastronomische Bereich sehr groß. Wir genossen ein wundervolles Abendessen direkt am Wasser.

Die nächsten Tage haben wir wieder mit Schwimmen und Ausruhen verbracht, so dass wir am 29. Oktober die
ganztägige Inselrundtour antreten konnten, die wir schon gleich zu Beginn des Aufenthalts gebucht hatten.

Wir fuhren mit dem Bus von Protaras via Agia Napa nach
Larnaca und machten dort den ersten Stop, um die Lazarus-Kirche zu besichtigen.

Die Lazarus-Kirche ist eine im späten 9. Jahrhundert errichtete Kirche. Sie liegt in der Nähe des Hafens und ist eine griechisch-orthodoxe Kirche der autonomen Kirche von Zypern, die dem Hl. Lazarus von Bethanien geweiht ist, der hier 30 Jahre als Bischof wirkte. Sie ist eine von wenigen
Mehrkuppelkirchen byzantinischen Stils in Zypern.

Diese Kirche dürfte zu Beginn des 10. Jahrhunderts gebaut worden sein und wurde vermutlich durch kaiserliche Mittel subventioniert, sodass die komplizierte architektonische Gestaltung als Mehrkuppelkirche mit drei eindrucksvollen Kuppeln ermöglicht wurde. In den ersten Jahren der osmanischen Herrschaft wurden die Kuppeln dieser orthodoxen Basilika und der ursprüngliche Glockenturm zerstört, als die Kirche in eine Moschee umgewandelt wurde.

Im Jahr 1589 wurde das Gotteshaus für 3000 türkische Silbermünzen den Osmanen wieder abgekauft, vermutlich wegen des darunter liegenden christlichen Friedhofes. In den nächsten ca. 200 Jahren diente die Kirche sowohl als orthodoxe, als auch als katholische Kirche.

Die zwischen 1773 und 1782 von Chatzisavvas Taliadorou angefertigten kostbaren byzantinischen Ikonen und die einzigartige barocke Holzschnitzerei der mit Gold überzogenen
Ikonostase aus den Jahren 1793 bis 1797 blieben bis heute erhalten. Einige hölzerne Teile des Altares und marmorne Teile der Kanzel stammen auch noch aus dem 17. Jahrhundert und wurden von den Katholiken verwendet. Nach der osmanischen Zeit wurden der Kirchturm als Glockenturm im lateinischen Stil errichtet.

Starke Schäden richtete ein Feuer im Jahr 1970 an, wodurch große Teile der Inneneinrichtung zerstört und in den Jahren 1972 bis 1974 wieder restauriert wurden. Bei dieser Renovierung wurden unter dem Altar in einem Sarkophag auch Teile identifiziert, die dem Hl. Lazarus zugeordnet werden.

Die heutige dreischiffige Kirche ist 31 m lang und 20 m breit und liegt etwa 1,5 m unter dem sie umgebenden Kirchenplatzniveau. Das mittige Hauptschiff wird von drei Kuppeln überwölbt. Antike korinthische Kapitelle, die als Spolien (von lateinisch spolium: „Beute, Raub, dem Feind Abgenommenes“)  an den Vierungspfeilern verwendet wurden, und die aus dem 18. Jahrhundert stammende Ikonostase sind neben einer Ikone aus dem 17. Jahrhundert (sie zeigt die Auferstehung des Lazarus) die bedeutendsten Kunstgegenstände der Kirche.

Der Zugang zur Grabkammer mit dem Schädel des Hl. Lazarus befindet sich im rechten Bereich der Ikonostase. Die Kirche kann sowohl von hinten, als auch seitlich über die Seitenschiffe über Stufen betreten werden.

Der Glockenturm aus dem 19. Jahrhundert befindet sich südwestlich der Apsis und ist mit filigranen Steinmetzarbeiten verziert.

Von Larnaca fuhren wir dann mit dem Bus in Richtung
Nikosia (griechisch Lefkosia).

Nikosia ist eine Stadt im Zentrum der Mittelmeerinsel Zypern und Hauptort des gleichnamigen Bezirkes. Sie ist die Hauptstadt der Republik Zypern, der Nordteil zudem Hauptstadt der Türkischen Republik Nordzypern. Sie ist daher in der
Liste geteilter Orte zu finden, durch die eine politische Grenze verläuft.

Das war besonders für uns deutsche Touristen eine widernatürliche Grenze, die mitten durch die Fußgängerzone in Nikosia führt.

Da steht plötzlich ein Grenzposten und alle müssen ihre Ausweispapiere vorlegen. Es ist eine gespenstische Situation...

Die Stadt gehört völkerrechtlich in ihrer Gesamtheit zur Republik Zypern, die jedoch seit der Invasion der türkischen Streitkräfte im Juli 1974 und der Proklamation der – von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannten – Türkischen Republik Nordzypern im November 1983 de facto keine Hoheitsrechte über den Nordteil Nikosias ausübt. Seither wird die Stadt durch eine
„Grüne Linie“ geteilt, die von Friedenstruppen der Vereinten Nationen, der United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP), überwacht wird.

Diese Teilung zieht sich durch bis an die östliche Stadt
Famagusta. Selbst die Schiffe, die von Süden kommen, müssen an dieser "Grenze" umkehren.

Unserer Meinung nach ist es absolut irreal, aber wenn solch eine kleine Insel nicht in der Lage ist, ohne Grenzen zu leben, was wollen wir von der Welt erwarten!!

Wir sind dann mit dem Aufzug in einem großen Geschäft in der Fußgängerzone von Nikosia in die 12. Etage gefahren und sahen dort noch einmal ein
Symbol des vorherrschenden Nationalismus, eine Riesenflagge in den Bergen des Pentadaktylos-Gebirges.

Was den Nationalismus angeht, sind Griechen und Türken gleichermaßen unversöhnlich....

Von diesem Raum in der 12. Etage hatten wir auch eine gute Sicht auf die
Sophienkathedrale bzw. Selimiye-Moschee.  Sie wurde zwischen 1209 und 1326 errichtet und gilt als Meisterwerk des gothischen Kirchenbaus, gleichsam den großen Kathedralen Frankreichs. Das Gebäude war bis 1489 die Krönungskirche der Könige Zyperns. Anschließend beherrschte Venedig bis 1571 die Insel.

Die Osmanen wandelten die Kathedrale in eine Moschee um, die unvollendet gebliebenen Westtürme wurden als Minarette vollendet. Die bisherige sakrale Ausstattung (z.B. die Kirchenfenster) ging dabei vollständig verloren. Fortan war das Gebäude die städtische Hauptmoschee. Das Gebäude wurde während der Erdbeben 1491, 1547 und 1735 erheblich beschädigt.

Sowohl in der britischen Kolonialzeit als auch unter der Republik Zypern blieb die Funktion der Moschee erhalten, seit 1974 befindet sich das Gebäude im türkisch-besetzten Teil Zyperns.

Nach der Besichtigung Nikosias fuhren wir weiter in das
Troodos-Gebirge.

Noch vor dem Mittagessen besichtigten wir dort eine der vielen unter
UNESCO-Weltkulturerbe stehenden Kirchen. Es war die Panagia-Kirche Phorviotissa oder Panagia tis Asinou, Nikitari.

Die Kirche gehörte zu einem Kloster, das im 18. Jahrhundert verlassen wurde. Sie liegt etwa fünf Kilometer südlich von Nikitari. Der Name Phorviotissa leitet sich vielleicht von den Wolfsmilchgewächsen, Euphorbiaceae, ab, die hier reichlich wuchsen.

Das tonnengewölbte Schiff der Kirche mit der Apsis stammt aus dem frühen, der überkuppelte Narthex mit Apsiden im Süden und Norden aus dem späten 12. Jahrhundert. Die Kirche besaß von vorneherein ein Holzdach. Das jetzige Holzdach wurde 1959 errichtet. Die Wandmalereien stammen teils aus dem frühen 12., teils aus dem 14. Jahrhundert. In einer Nische der Südwand lautet eine Stifterinschrift: „Die Kirche der heiligen Theotokos wurde auf dringenden Wunsch und mit Mitteln des Magistros (Beamten) Nikolaos Ischirios ausgemalt, als Alexios der Komnene Kaiser war, im Jahr 1105/1106.“

In der Apostelkommunion in der Ostapsis reicht Jesus dem Johannes ein goldenes Gefäß mit Wein, während Judas Ischariot sich wegwendet, um ihn zu verraten. In der westlichsten Nische der Nordwand sind die Vierzig Märtyrer von Sebaste dargestellt, die in Sebaste, dem heutigen Sivas in der Türkei, getötet wurden.

Im Narthex schildert ein Jüngstes Gericht die Strafen der Verdammten, so das Heulen und Zähneklappern. Die heilige Anastasia von Sirmium trägt als Anastasia pharmakolytria, außer einem Kreuz ein Arzneigefäß in der Hand. Die Stifterin ist in die byzantinische Tracht der Zeit gekleidet.

Das Fotografieren in der Kirche war strengstens verboten, es war zudem so dunkel, dass man kaum die Wandzeichnungen erkennen konnte. Der Reiseleiter hatte zu dem Zweck eine Taschenlampe dabei.

Anschließend wurde ausgiebig in einer
Bergklause Mittag gegessen. Es gab alle zypriotischen Nationalgerichte, die wir die ganze Zeit in unserer Hotelgegend nirgends bekommen hatten.

Den letzten Stop des Tages machten wir in einem kleinen Ort mit einem zentral gelegenen Platz und einem wundervollen Kloster.

Omodos ist ein Dorf im Bezirk Limassol mit 311 Einwohnern im Troodos-Gebirge auf der Insel Zypern.
Es liegt etwa 42 km nordwestlich der Hafenstadt Limassol am Südhang des Troodos-Gebirges auf 810 m Seehöhe und verfügt über eine jährliche Niederschlagsmenge von 760 mm.

Die Lebensgrundlage der Einwohner bildet mehrheitlich der Anbau von Wein, Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Pfirsichen und Aprikosen.
Besonders für seinen Weinanbau ist Omodos berühmt. In internationalen Touristenführern wird er als „das“ Weindorf Zyperns bezeichnet. Dementsprechend wird der Ort von vielen Touristen frequentiert und bietet eine alternative Einkommensquelle für seine Bewohner. Restaurants und Souvenierläden in der Ortsmitte zeugen von dieser Entwicklung.

In der Ortsmitte befindet sich die im 19. Jahrhundert neu erbaute
Klosterkirche Timiou Stavrou (Deutsch: „Heiligkreuz“). Ihre Gründung geht bis in das 4. Jahrhundert zurück. Den Innenraum dominiert eine prächtige vergoldete Ikonostase aus dem 18. Jahrhundert. In der Kirche werden der Überlieferung nach ein Splitter vom Kreuz Jesu und eine Schädelreliquie des Apostels Philippus aufbewahrt.

Im Kloster befinden sich mehrere Museen: das Museum Byzantinischer Kunst, das Museum für Volkskunst und eine Ausstellung, die den Freiheitskampf der Zyprioten gegen die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Unabhängigkeit 1960 dokumentiert.

Am späten Nachmittag ging es dann weiter südlich bis
Limassol (ohne Besichtigung) und von dort die Küstenstraße entlang zurück ins Hotel.

Am 31. Oktober 2014 machten wir nochmal eine Bootstour mit einem Glassbottomboot und zwar in nördlicher Richtung bis zur
Demarkationslinie Famagusta. Leider war das klare Wasser kaum mit Fischen oder gar Korallen gefüllt, was den Aufenthalt unter Deck nicht allzu lang werden ließ...

Was wir schon in Nikosia gesehen hatten, trat hier noch drastischer zu Tage. Die Trennung zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil der Insel Zypern geht hier sogar im Meer soweit, dass die Boote aus dem Süden umkehren müssen, da es keine "Grenzstation" wie in Nikosia gibt.

Es ist ernüchternd zu sehen, was von Menschen gemacht ist und wie sich das in der letzten Zeit noch verstärkt zwischen den Bevölkerungsgruppen zeigt.

Da können wir uns glücklich schätzen, die Teilung überwunden zu haben.

Die letzten 3 Tage haben wir mit kleinen Strandwanderungen, Schwimmen und "Gutgehen" genutzt. Das Wetter war uns die ganze Zeit über gewogen, so dass wir am 3. November 2014 gegen 23.30 Uhr gut erholt in Deutschland zurück waren.

Henning Krüger


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